Berlin, 1. März 2026 – Die Stimmen, die das Erreichen des Net-Zero-Ziels für 2045 für unrealistisch halten, sind zahlreich; unter anderem auch deshalb, weil nicht sicher ist, dass die Versorgungssicherheit ausschließlich auf Basis von Anlagen der erneuerbaren Energien gewährleistet werden kann. Gleichzeitig wird weltweit an der Weiterentwicklung von Kernenergietechnologien gearbeitet.

Vor diesem Hintergrund wurde im Rahmen des „Energiediskurses 2026 in der Villa Gary“ am 27. Februar dieses Jahres darüber diskutiert, ob wir vor einer Renaissance der Kernenergie durch neue Technologien stehen. Passend dazu titelte die Presse bereits am Tag zuvor: „Startschuss für Bau von Kernfusion-Demonstrator in Bayern. Für rund zwei Milliarden Euro soll in den kommenden Jahren ein erster Demonstrationsreaktor für Kernfusion in Garching bei München entstehen.“

Dr. Martin Pache, Geschäftsführer von Westinghouse Electric Germany sowie Sprecher und Vorstandsmitglied von KernD, stellte die Reaktorkonzepte der Zukunft vor und skizzierte einen möglichen Fahrplan für die weitere Entwicklung in Deutschland. Er begann mit einem Zitat von Fatih Birol, Executive Director der IEA (International Energy Agency), von Anfang Februar dieses Jahres:
„Ein zweiter Weg, mit dem sich viele europäische Länder gerade intensiv befassen, sind kleine modulare Reaktoren, sogenannte SMR. Diese Entwicklung sollte Deutschland genau beobachten.“

Small Modular Reactors (SMR) zeichnen sich durch eine geringere Leistung als klassische Kraftwerke (ca. 300 MW) aus. Sie bestehen aus vormontierten Modulen, standardisierten Designs und Lieferketten sowie modernster Technologie. Vorteile dieser Vorgehensweise liegen in einer höheren Nachfrage und damit verbundenen Kostensenkungen durch Serienfertigung. Die Modulbauweise ermöglicht eine hohe Qualität durch Fertigung in kontrollierter Fabrikumgebung sowie eine verkürzte Bauzeit durch parallele Produktion. Angestrebt wird eine harmonisierte Lizenzierung in möglichst vielen Ländern, während die Lagerhaltung von Modulen eine schnellere Auslieferung ermöglicht.

Einen möglichen SMR-Fahrplan für Deutschland skizzierte er wie folgt: Zunächst müsste ein rechtlicher Rahmen geschaffen werden, der die Genehmigung und den kommerziellen Betrieb von Kernkraftwerken ermöglicht. Darüber hinaus sei ein verlässliches Förder- und Marktrahmenkonzept mit neuer Betreiber- und Projektstruktur erforderlich. Die Regulatorik, Normen und Genehmigungsverfahren müssten aktualisiert werden. Zudem seien die Möglichkeiten neuer Reaktoren mit dem Bedarf der Industrie und der Kommunen zu synchronisieren. Schließlich sei es erforderlich, die Entsorgungssysteme für Neuanlagen zu überdenken, etwa unter Berücksichtigung der Transmutationstechnologie. Darüber hinaus müssten Kompetenzen in der Forschung gesichert beziehungsweise wieder aufgebaut und stabile Lieferketten gewährleistet werden.

Dr. Guido Houben, Geschäftsführer von Transmutex, erläuterte, dass Transmutex als Unternehmen, das Anlagen designt und Steuerungssoftware entwickelt, sich zum Ziel gesetzt hat, einen Beitrag dazu zu leisten, die Radioaktivität von Atommüll von 800.000 auf etwa 800 Jahre zu reduzieren. Dabei wird insbesondere auf die Produktion von Radioisotopen für medizinische und industrielle Prozesse abgestellt; die dabei entstehende Prozesswärme kann zusätzlich genutzt werden.

Dies geschieht in Zusammenarbeit mit einer Reihe entsprechender Unternehmen weltweit und ist auch deshalb von großer Bedeutung, weil absehbar ist, dass weltweit neue Kernkraftwerke gebaut und bestehende Anlagen länger betrieben werden als bisher geplant. Eine Alternative zur Endlagerlösung für vorhandene und zukünftige radioaktive Abfälle zu schaffen, sei daher dringend geboten.

Der Prozess beginne klassisch mit der Trennung und Verwertung der verschiedenen radioaktiven Bestandteile. So könnten etwa Edelmetalle, Caesium, Strontium oder Krypton gewonnen werden. Zudem sei es möglich, den verbleibenden Rest in unterschiedlich gefährliche Kategorien zu trennen und jeweils entsprechend der Radioaktivität geeignete Lagerstätten zu konzipieren.

Die Ergebnisse einer Studie der Bundesagentur für Sprunginnovationen zeigten, dass die Inbetriebnahme einer Gesamtanlage technisch bis etwa 2035 möglich sei. Auch die Wirtschaftlichkeit erscheine aufgrund der Erlöse aus medizinischen Radioisotopen, Rohstoffen für industrielle Zwecke sowie der Entsorgung atomarer Abfälle und der Nutzung von Prozesswärme vielversprechend.

Das Anlagendesign entspreche grundsätzlich den deutschen sowie internationalen Sicherheitsanforderungen und Regelwerken. Mit Blick auf den Rechtsrahmen sei festgestellt worden, dass sich die Anlage trotz ihrer Neuartigkeit grundsätzlich in die Systematik des bestehenden Rechtsrahmens einfügen lasse. Die Trennung hochradioaktiver Abfälle in ihre Bestandteile setze jedoch einen entsprechenden Ausnahmetatbestand im Atomgesetz voraus.

Der gesellschaftliche Nutzen liege unter anderem in der Entwicklung neuer Krebsmedikamente, in CO₂-Einsparungen sowie in der Reduktion des Volumens hochradioaktiver Abfälle um rund 90 % und der Verringerung der Radioaktivitätsdauer von etwa einer Million auf weniger als tausend Jahre.


  • Zusammenfassung der anschließenden Diskussion

Die Diskussion wurde mit der Frage eröffnet, inwieweit die Transmutationstechnologie in Deutschland eine Chance auf gesellschaftliche Akzeptanz hat. Alle Beteiligten waren sich darin einig, dass es viele gute Argumente dafür gibt und dass für eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung vor allem die richtige Kommunikationsstrategie entscheidend ist. Dies sei jedoch schwierig, da derzeit wenig Bereitschaft bestehe, sich sachlich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Auch die Frage, inwiefern SMR in Deutschland anders bewertet werden könnten als traditionelle Kernkraftwerke, wurde kritisch diskutiert. Die gesamte Debatte über Kernenergie sei in der Vergangenheit stark emotional geführt worden, sodass es schwer sei, mit rationalen Argumenten durchzudringen.

Die Folgen dieser ablehnenden Haltung bestünden im Verlust von Wissen im Bereich der Kernenergietechnik, im Ausschluss aus internationalen Gremien und damit im Verlust von Einfluss auf die Festlegung weltweiter Sicherheitsnormen und -standards. Dies sei besonders bedauerlich, da Deutschland in diesem Bereich einst eine führende Rolle eingenommen habe. Zudem könne dies nachteilige Folgen für die Bevölkerung in Deutschland haben, insbesondere angesichts der hohen internationalen Innovationsgeschwindigkeit.

Die Abwesenheit von der internationalen Entwicklung führe außerdem dazu, dass Deutschland in einer von Terror und geopolitischen Konflikten geprägten Welt unzureichend vorbereitet sei.

Die Frage, inwiefern Kernenergie einen Beitrag zum Klimaschutz leisten könne, wurde einhellig bejaht. Dabei sei jedoch zwischen technologischen, politischen und wirtschaftlichen Aspekten zu unterscheiden. Weltweit nehme die Zustimmung zur Kernenergie zu, und auch in Europa sei künftig eine engere Zusammenarbeit zu erwarten. Deutschland werde davon betroffen sein, unabhängig davon, wie die Bevölkerung die Akzeptanzfrage bewertet.

Abschließend wurde auf den Beschluss der Ethikkommission unter Bundeskanzlerin Merkel verwiesen, wonach Deutschland nicht aus der Kernenergieforschung aussteigen solle.

Wir danken den beiden Sprechern des Workshops, Dr. Martin Pache und Dr. Guido Houben, herzlich für ihre Vorträge und die Beiträge zur Diskussion.

Die Präsentationen werden in Kürze auf der Website (Presse/Publikationen) zum Download zur Verfügung stehen.

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